Online-Tagebuch Ashdod Oktober 2008/online diary Ashdod October 2008

Dienstag, 4. Nov. 2008/Tuesday, Nov. 4th

We are back home - after a short night and a long flight (1 hour delay) we have arrived in a grey and - as we feel - cold city. We thank all our friends, the families, and all teachers of Makif Het involved in our programme for the great time we had. We are looking forward to seeing you in Spandau soon. And a very special thank to Stav for the wonderful video:

http://de.youtube.com/watch?v=Y5HNlDGmawE

Um 01:15 h sind alle vollständig versammelt. Letztes Jahr stand hier Ljuba mit ihrem großen blauen Elefanten und ihrem Freund aus Ashdod - seit August dieses Jahres ist sie nun mit ihm verheiratet. Danny kommt mit seinem Bus und schon sind wir auf der noch fast autolosen Autobahn unterwegs zum Flughafen. In der Abflughalle ist es - obwohl erst 02:30 h - schon recht voll. Die Security bietet heute das volle Programm: die übliche Befragung, die Kofferdurchleuchtung und dann noch einmal für die meisten von uns das Öffnen der Koffer und Taschen, um nach etwas Bestimmten zu suchen. Das Angebot der Damen am check-in-counter, für 200 $ pro Person vom Flug freiwillig zurückzutreten (die Maschine ist hoffnungslos überbucht), können wir leider nicht annehmen - bei einem besseren Angebot hätten wir sicherlich über weitere kostenlose Tage in Tel Aviv nachdenken können ...

Schließlich sind wir rechtzeitig zum Boarden am Flugsteig und unsere Maschine legt - im Gegensatz zu der Maschine nach Moskau, die schon um 05:30 h fliegen sollte und deren Passagiere noch immer ohne Hast mit den Einkäufen aus den Duty-Free-Läden angeschlendert kommen - schon vor 06:05 h vom Flugsteig ab, allerdings um dann auf dem Vorfeld stehen zu bleiben. Gerade geht über den Bergen von Jerusalem die Sonne blutrot auf. Nach zwanzig Minuten erklärt der Flugkapitän, dass sie Schwierigkeiten hätten, die linke Turbine zu starten - zwei sollten es doch schon zum Fliegen sein. Nach weiteren 20 Minuten setzt sich das Flugzeug in Bewegung. Es sei alles in bester Ordnung, lässt uns der Kapitän wissen. Blitzartig ist es wieder hell geworden. Bis an die entfernteste Ecke des Flugfeldes rollen wir, dann heulen   b e i d e   Turbinen auf und die Maschine hebt ab, kippt nach links Richtung Rishon Lezyon und dann ist nur noch das Meer unter uns sehen - doch bei fast allen sind zu diesem Zeitpunkt die Augen schon zugefallen. Zypern gleitet unter uns hinweg, wir erreichen die Küste der Türkei, Frühstück wird serviert ... und über Polen blicken wir dann drei Stunden später auf dichter werdende Wolkenfelder. Beim Anflug auf Berlin können wir den Weg von der Oder her verfolgen: Obwohl Schoenefeld nach der Karte längst erreicht ist, schiebt sich das Flugzeugsymbol immer weiter nach Westen. Sehen können wir nichts, da wir inmitten des Hochnebels sind. Nein, nicht Leipzig oder Magdeburg ist das Ziel: Heute wird von West nach Ost gelandet, daher muss das Flugzeug eine weite Schleife drehen.

Kein Zollbeamter möchte einen Koffer sehen, der Bus wartet schon auf uns. Und dann zeigt sich, dass die Lebensfreude der letzten Tage Bestand hat: Eine singende Gruppe auf dem Heimweg, das hatten wir auch noch nicht. Die Wiedersehensfreude ist groß - nun gibt es nur noch drei Dinge: duschen, essen, schlafen.

Wir hatten mit euch und euren israelischen Freunden eine sehr schöne Zeit. Es war für uns eine Freude, mit euch unterwegs zu sein und wir hoffen, dass der Sonnenschein und die neuen Erfahrungen euch noch recht lange erhalten bleiben.

Wir danken allen unseren Freunden in Ashdod, den Familien und den Lehrerinnen und Lehrern von Makif Het, die uns einen glücklichen Aufenthalt ermöglicht haben. Ein ganz besonderer Dank gilt Stav, die ein sehr schönes Video bereitgestellt hat:

http://de.youtube.com/watch?v=Y5HNlDGmawE

 

 

Montag, 3. Nov. 2008

Wieder beginnt ein schoener, milder Tag: Sonne, blauer Himmel. Die weiten Felderflaechen rund um Ashdod glaenzen braun, frisch gepfluegt, vorbereitet fuer die Aussaat. Hier und da ist nach dem Regen der letzten Woche das zarte Gruen des keimenden Weizens zu sehen. Wir haben gelernt: Ab Pessach beginnt die Getreideernte. Waehrend sich die Schuelerinnen und Schueler in Spandau nach den zwei Wochen Ferien auf den Weg zur Schule machen, nehmen die Austauschschuelerinnen ein letztes Mal hier am Unterricht teil - nach der Umstellung auf Winterzeit in Deutschland ist die Osteuropaeische Zeitzone der Westeuropaeischen um eine Stunde voraus.

Abschiedsrunde - es ist ein recht grosser Kreis, in dem wir sitzen, denn auch die Schuelerinnen und Schueler aus Ashdod, die jetzt noch niemanden aufgenommen haben, aber nach Spandau kommen werden, sind wie in den letzten Tagen mit dabei. Die israelischen Mitglieder der Austauschgruppe erhalten ihren deutsch-israelischen Sticker als Zeichen, dass sie nun zur grossen Austauschfamilie in Ashdod gehoeren (die deutschen Schueler/innen werden ihn in Berlin erhalten). Auf kleinen Zetteln schreibt nun jeder fuer jeden in der Gruppe eine persoenliche Bemerkung - und schon kullern beim Lesen die ersten Traenen.

                                 

Die Austauschgruppe 2008 - Teil 1

Vor dem Spandau-Baum auf dem Schulgelaende (er ist in diesem Jahr gut gewachsen) werden die letzten Gruppenfotos und die traditionellen Partnerbilder aufgenommen - dann ist das offizielle Programm eigentlich vorbei, aber ein letztes Mal wird "Ka-Ka-Kadima" getanzt. Nun locken die letzten Stunden in der warmen israelischen Sonne, dann muessen die Koffer gepackt werden - morgen frueh um 01:15 h ist Treffzeit und um 01:30 h Abfahrt.

Pascal, Shai, Florian                Jana, Stav                                  Alexander, Assaf

Louisa, Shani                              Sina, Sasha                               Sapir, Melanie

Amit, Moritz                                 Shachaf, Rebecca                   Ivo, Gal

Chen, Suzana                          Valeria, Carmen, Stav                Philipp, Ran

Ka- Ka- Kadima!

Sonntag, 2. Nov. 2008

Ein milder, spaetsommerlicher Tag mit blauem Himmel und nur wenigen weissen Wolken. Heute verlassen wir die Autobahn nach Jerusalem schon an der Abfahrt Castel und fahren durch das weite, bewaldete Tal in Richtung Ain Keren. Hoch ueber uns thront an seinem Ostrand das riesige Gebaeude des Hadassa-Krankenhauses.

Um 11:00 Uhr wird unsere Gruppe in Yad Vashem von Yael empfangen, die uns auf Englisch durch die Ausstellung fuehren wird (zufaellig heisst auch die andere junge Dame, die die Fuehrung fuer unsere Partner auf Ivrith macht, ebenfalls Yael). Mit grossem Einfuehlungsvermoegen fuer die besondere Situation unserer Gruppe verdeutlich Yael an den verschiedenen Stationen die Entwicklung - der Beginn der Ausgrenzung, die Toetung "unwerten Lebens", die Rolle der Wehrmacht in Polen - wir sehen in die grinsenden Gesichter biederer Ehemaenner und Soehne in Uniform beim Quaelen und Erniedrigen von Juden - und die der Einsatzgruppen, die mordend in der Etappe durch den Osten ziehen.

Yad Vashem

Die Antwort auf die Frage, warum die Juden Deutschlands nicht rechtzeitig nach Palaestina ausgewandert sind, um sich zu retten, beantwortet ein Zeitzeuge in einem der Filme, indem er seine Mutter zitiert, die auf diese Frage schlicht geantwortet hat: "Es ist dort zu heiss." Warum soll sie als Deutsche die Heimat verlassen?

Das Ringelblum-Archiv

Wir sehen das Elend und den Tod in den Ghettos, die Vernichtung durch Hunger und Vernichtung durch Arbeit in den Konzentrationslagern, die schliesslich nach der Wannseekonferenz mit der rationalisierten, technisierten Toetung in den Vernichtungslagern endet. Schliesslich die Befreiung der Ueberlebenden aus den Konzentrationslagern - doch wohin sollen diese Menschen hingehen, die alles verloren haben, die Heimat, die Familie?

Der letzte Raum der Ausstellung erinnert daran, dass von den rund 6 000 000 Menschen, die im Holocaust ermordert worden sind, nur die Namen von rund 3 300 000 Toten bekannt sind. Ganze Familien, Doerfer, Gemeinden sind von Wehrmacht, SS und Einsatzgruppen ausgeloescht worden, ohne dass die Namen ueberliefert worden sind. Und dies ist die Aufgabe von Yad Vashem [ éã (yad) = Denkmal, va = und,  åùí = Name]: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ (Jesaja 56,5)

Fehlende Namen

Das Dreieck des Museumsbaus oeffnet sich weit, vor uns liegt die Zukunft.

Die "Halle der Kinder" erinnert an die die rund 250 000 Kinder, die waehrend des Holocausts ermordert worden sind, ehe sie ueberhaupt die Gelegenheit gehabt hatten, ihr Leben zu leben. Die Kerzen spiegeln sich vieltausendfach wider - wie Sterne. Damit diese Kinder nicht vergessen werden, hoeren wir ihre Namen, wo sie gewohnt haben, wie alt sie geworden sind.

Vor der Halle der Kinder                       

Jedes ermordete Kind ein Stern

Nach ueber drei Stunden verabschiedet sich Yael von uns. Fuer sie ist es wichtig, dass diese junge Generation aus der Vergangenheit fuer die Zukunft lernt. Wir haben selten eine so gute Fuehrung erlebt, aber auch selten eine Gruppe, die so intensiv zugehoert und mitgearbeitet hat. Dieser Besuch war fuer keinen von uns leicht.

Die letzte Station ist das Tal der Gemeinden - hier sind auf den grossen Steinbloecken alle Orte in Europa aufgefuehrt, deren juedische Gemeinden vernichtet worden sind. Vor dem Spandauer Stein erinnern wir an die juedische Gemeinde zu Spandau und nehmen mit den Worten von  Zelda Shneurson Mishkowsky die Idee von Yad Vashem noch einmal auf:

Zelda: L'Chol Ish Yesh Shem  (Jeder von uns traegt einen Namen)

 L'Chol Ish Yesh Shem                       Jeder von uns traegt seinen Namen,
Sh'natan lo Elohim                             Empfangen durch Gott
V'natan lo aviv v'imo                          Und empfangen von den Eltern,  
 
L'chol ish yesh shem                          Jeder von uns traegt seinen Namen, 
Sh'natna lo komato                            Empfangen durch unsere Statur
V'ofen chiucho                                    Und die Art unseres Laechelns.
 
L'chol ish yesh shem                         Jeder von uns traegt seinen Namen,
Sh'natnu lo heharim                           Empfangen durch die Berge
v'natnu lo k'talav                                 Und empfangen durch unsere Mauern.
 
L'chol ish yesh shem                         Jeder von uns traegt seinen Namen,
sh'natnu lo ha-mazalot                       Empfangen durch die Sterne
v'natnu lo shcheinav                           Und empfangen von unseren Nachbarn.
 
L'chol ish yesh shem                         Jeder von uns traegt seinen Namen,
sh'natnu lo chata'av                            Empfangen durch unsere Suenden,
v'natan lo k'mihato                             Empfangen durch unsere Wuensche. 
 
L'chol ish yesh shem                         Jeder von uns traegt seinen Namen, 
sh'natnu lo sonav                                Empfangen von unseren Feinden,
V'natan lo ahavato                             Empfangen durch unsere Liebe.
 
L'chol ish yesh shem                         Jeder von uns traegt seinen Namen, 
Sh'natnu lo chagav                             Empfangen durch Feiern,
V'natan lo m'lachto                             Empfangen durch unsere Arbeit.
 
L'chol ish yesh shem                          Jeder von uns traegt seinen Namen,
Sh'natnu lo t'kufot hashanah              Empfangen durch die Festtage,                                                                                                      
V'natan lo ivrono                                 Empfangen durch unsere Blindheit. 
 
L'chol Ish Yesh Shem                        Jeder von uns traegt seinen Namen, 
Sh'natan lo Elohim                             Empfangen durch Gott
V'natan lo aviv v'imo                          Und empfangen von unseren Eltern
 
L'Chol Ish Yesh Shem                        Jeder von traegt seinen Namen,
Sh'natan lo hayam                             Empfangen durch die See
V'natan lo                                            Und empfangen durch
moto                                                    unseren Tod. 

Gedenken an die juedischen Gemeinde zu Spandau 

 

Diesen Tag beschliessen wir wie immer mit einem Besuch des Grabes von Izak Rabin auf dem Mount-Herzl-Friedhof. Hier schliesst sich fuer uns der Kreis unseres Aufenthaltes: Mit dem Ort der Ermordung von Izak Rabin haben wir in Tel Aviv angefangen, haben von den zerbrochenen Hoffnungen auf einen schnellen Frieden gehoert, haben das Wohnhaus und das Grab des ersten israelischen Ministerpraesidenten, Ben Gurion, in Sde Boker besucht und hoffen hier mit unseren Freunden, dass sie in diesem Land in Zukunft in Frieden leben koennen.

Gespraech mit jemenitischen Pensionaeren

 

Am Grab von Izak Rabin

Sonnabend, 1. Nov. 2008

Diesen Tag verbringen alle Schuelerinnen und Schueler bei ihren Gasteltern, die sich zum Teil interessante Ueberraschungen ausgedacht haben.  

Freitag, 31. Okt. 2008

Blauer Himmel, wenige Wolken, Sonne - es wird heute wieder ein schoener Tag. Auch heute fahren wir wieder in grosser Besetzung: Shmulik, der Sportlehrer, der uns schon letztes Jahr am Toten Meer begleitet hat, hat das Oberkommando, ihm zur Seite stehen drei midrichim (Singular: midrich), das sind Schueler und Schuelerinnen der Oberstufe, die einen Jugendleiterkurs besucht haben und Teile der Fuehrung uebernehmen werden, und wieder zwei security guards. An Kiryat Gat vorbei fahren wir nach Osten bis nach Beit Guvrin (beit = Haus, guvrin [aramaeisch] = Mensch). Links der Strasse liegen die recht gut erhaltenen Reste der roemischen Siedlung, auf der anderen Strassenseite die helenistische Siedlung Maresha. Die Menschen, die hier im 3./4. Jahrhundert v.Chr. lebten, hatten herausgefunden, dass unter dem harten Fels, dessen Steine sich gut fuer den Haeuserbau eigneten, eine weiche Kalksteinschicht befand, aus der sich leicht Hoehlen herausarbeiten liessen, die sich als Zisternen, aber auch fuer die Einrichtung von Oelpressen nutzen liessen - hier unten sind selbst an einem heissen Sommertag die Temperaturen deutlich ertraeglicher. Als die Zisternen nicht mehr gebraucht wurden, haben nachfolgende Generationen in deren Mauern Nistplaetze fuer Tauben geschlagen, um die Frischfleischversorgung (das haben wir schon gestern auf Massada gelernt) zu sichern. Der Taubenkot wurde gesammelt und als Duenger auf die Felder gebracht.

Nach einer Pause - unsere Schuelerinnen lernen israelische Lebensfreude bei einem Tanzspiel kennen - bilden die Hoehlengraeber aus dem 2. und 3. Jhd. v.Chr. einen ersten Hoehepunkt. Die Mitglieder der fuehrenden Familien wurden hier in Grabkammern, die zu beiden Seiten eines Ganges, der reich mit farbigen Tier- und Fabeltierdarstellungen versehen worden ist, begraben - allerdings nur fuer eine bestimmte Zeit. Nach Ablauf einer festgelegten Frist wurden die Graeber wieder geoeffnet und die Knochen in einem besonderen Teil der Hoehle abgelegt. Von diesem ersten Teil unserer Erkundung gibt es leider aus technischen Gruenden keine Fotos.

Der Bus bringt uns nach kurzer Fahrt zu einer wirklichen Herausforderung - zu den Hoehlen von Beit Guvrin. Der Wegweiser an der Strassenkreuzung gibt an, dass Hebron 5 km entfernt ist. In der Ferne sind auf der Huegelkette im Osten die Haeuser von Bethelehem auszumachen. Der Bewuchs auf den Huegeln ist vertrocknet, aber nach den ersten Regenfaellen der letzten Tage ist das zarte Gruen des Grases schon auszumachen und im Februar/Maerz im naechsten Jahr werden weite Flaechen mit roten Anemonen und wilden Alpenveilchen in den unterschiedlichsten Farben bedeckt sein. Diese Hoehlen hier stammen aus roemischer Zeit, 1. Jhd. n.Chr. Bar Kochbar, ein juedischer Anfuehrer, sammelte in dieser Gegend seine Soldaten, um einen Aufstand gegen die Roemer durchfuehren zu koennen. Es wird berichtet, dass er nur den Mann aufnahm, der den Mut besass, sich selbst einen Finger abzuschneiden. Die schon vorhandenen Hoehlen wurden unter seiner Regie zu verzweigten Systemen mit vielen rechtwinkligen Kehren und steilen Auf- und Abstiegen versehen: Die durch ihre Ruestungen schwerfaelligen roemischen Soldaten hatten hier keine Chance. Das Ende des Austandes von 66 n.Chr. ist bekannt: Der zweite Tempel in Jerusalem wird zerstoert, die juedische Bevoelkerung aus der Provinz vertrieben, durch das Ueberangebot von Sklaven faellt deren Preis auf weniger als das Aequivalent fuer ein Brot. Da die Roemer die Aufstaendischen in den Hoehlen nicht besiegen koennen, greifen sie zu einer einfachen Methode: Sie verstopfen die Ausgaenge und raeuchern die Aufstaendischen im wahrsten Sinne des Wortes aus.  

Shmulik und seine madrichim schaffen es, dass es wenigstens jeder versucht, sich eine der Hoehlen von innen anzusehen - und auch noch in das zweite Hoehlensystem einzusteigen. Dort ist einer der Raeume so gross, dass die ganze Gruppe noch einmal das Tanzspiel, offensichtlich mit grosser Begeisterung, machen kann: "Ka- Ka- Kadima ..." schallt es nach oben. Nach einer recht langen Zeit taucht einer nach dem anderen wieder aus dem Untergrund auf, mit rotem Kopf  und verschwitzt, da es doch ein bisschen anstrengend war und auch auf der Kleidung sind die Spuren nicht zu uebersehen, aber: stolz und gluecklich, sich dieser Herausforderung gestellt zu haben.

Die Helden der Hoehlen von Bet Guvrin kehren zum Bus zurueck, der uns in 45 Minuten wieder in die grosse Stadt bringt. Das Wochenende mit seinen vielen Familienaktivitaeten liegt vor uns.

Shabbat Shalom.

 

Auf dem Weg zu den Hoehlen von Guvrin

Eingang in die Unterwelt

Shmulik erklaert und alle hoeren zu.

Hinab in die Hoehle ...

... und wieder zurueck ans Tageslicht.

Hoehle II

Die Helden der Hoehlen von Beit Guvrin  - Heroes of the caves of Beit Guvrin

 

Donnerstag, 30. Okt. 2008

Sonne, einige wenige Wolken ueber Ashdod. Kurz vor 09:00 Uhr  verlaesst der Bus mit 27 Schuelerinnen und Schuelern, 4 Lehrern und 2 Security Guards den Schulparkplatz. Vor Ashdod biegen wir Richtung Osten ab, verlassen die dicht besiedelte Kuestenregion und fahren ostwaerts durch das weite, gewellte Ackerland, auf dem bald wieder der Weizen wachsen wird. Wir passieren die ersten Beduinensiedlungen, die Strasse fuehrt aufwaerts in huegeliges Land, das in den den letzten 20, 30 Jahren bewaldet worden ist. Dann folgt wieder weites Ackerland. An der Strasse steht das Wasser in kleinen Teichen, die das abfliessende Regenwasser speichern: Auch hier hat es in den letzten Tagen stark geregnet. Wir passieren Arad und dann beginnt der Abstieg durch das felsige Gebiet hinunter zum Toten Meer. Bei Arad sind es noch + 500 m, bald sehen wir das Schild "Niveau de la mer", dann geht es weiter hinunter. Schliesslich liegt das Tote Meer spiegelglatt und blau vor uns, die jordanischen Berge spiegeln sich im Wasser, in dem kleine weisse Salzberge schwimmen.

Wir besteigen eine Gondel der Seilbahn, die uns hinauf nach Massada bringt. Unter uns sehen wir die Umrisse der Lager der 10. roemischen Legion, die die Zeloten auf Massada nach dem letzten juedischen Aufstand und er Zerstoerung des zweiten Tempels in Jerusalem belagerte.

Auf dem Plateau sehen wir uns die Ueberreste der kleinen Wohnungen der Aufstaendischen an, die riesigen Zisternen, deren Wasser das Ueberleben hier sicherten, den Swimmingpool, die Columbarien (die Taubentuerme), die das einzig moegliche Frischfleisch lieferten, die Synagoge, die roemische Rampe, das Badehaus entsprechend roemischer Badekultur mit damaligem roemischen Hightech: Hypocaustos - Fussbodenheizung. Wir klettern hinunter zum Winterpalast des Koenigs Herodes, der in der krankhaften Furcht lebte, dass jemand nach seinem Leben trachten koennte: modern lifestyle im letzten vorchristlichen Jahrhundert.

Unser naechstes Ziel ist Ein Boqek. Hier finden wir einen schoenen, sauberen Strand mit einem einfachen Zugang zum Toten Meer, dass auf Ivrith Yam Hamelach heisst: yam = das Meer, hamelach = das Salz - also: Meer des Salzes): Schweben im Wasser, die Anzeige gibt 30 Grad an, warme Sonne im Gesicht - daran werden wir uns in den kalten und feuchten Tagen des kommenden Winters erinnern.

Um 16:00 Uhr beginnt die Heimreise, hinein in den Sonnenuntergang mit den schoensten Farben am Himmel.

Schlamm des Toten Meeres gegen fruehzeitiges Altern der Haut

... schwerelos ...

 

Palast des Herodes

unsere security

Massada: True Story, part II

Die Lose der letzten Kaempfer von Massada

Bei Arad: 500 m ueber dem Meer

Kleine Daemme halten das Regenwasser auf.

Gruen in der Wueste 

 

... auf dem Weg durch das Beduinenland

Mittwoch, 29. Okt. 2008 

Im Rathaus von Ashdod

Moritz ist heute 15 geworden! 

   

Begruessung durch die stellvertretende Leiterin des Buergermeisterbueros, Dina Barulfan

Taschengeldauszahlung

Nach dem Treffen in der Schule und Teilnahme am Unterricht fahren die Schuelerinnen und Schueler mit dem Taxibus Nr. 5 zum Rathaus. Dort treffen wir uns um 10:00 Uhr mit Dina Barulfan, die uns im Namen des Buergermeisters begruesst - er hat in dieser Vorwahlzeit andere Termine. Frau Barulfan, Herr Grammel und Frau Goldschmidt betonen, dass dieser Schueleraustausch eine feste Konstante in der Beziehung zwischen Spandau und Ashdod ist. Dieser Besuch in Ashdod und der folgende Besuch in Spandau festigen das Band zwischen den beiden Partnerstaedten.

Nach diesem offiziellen Termin lockt der Markt an der Seepromenade und die die Einkaufszentren im neuen Industriegebiet von Ashdod - eine gute Gelegenheit, viel Zeit mit den Partnern zu verbringen.

Das Wetter ist deutlich besser geworden, die Sonne scheint und es ist warm. Am Abend erhellen wilde Wetterleuchten den Himmel und es gehen heftige Schauer nieder.

Herr Lange, der gerade Urlaub auf Mallorca macht, hat die Mail von Herrn Grammel aus Ashod gelesen und auf der ersten Seite der Homepage einen Link zum Online-Tagebuch gelegt - ein gutes Beispiel fuer globale Arbeitsteilung.

 

Dienstag, 28. Okt. 2008

Heute gibt es keine schwarzen Flecken am Himmel - der Himmel ist insgesamt grau-schwarz und es faellt mehr oder minder heftig Regen - aber Richtung Jerusalem gibt es einen hoffnungsvollen hellen Fleck. Bei Latrun fahren wir auf die Autobahn Nr. 1 nach Jerusalem, an der an vielen Stellen die konservierten Ueberreste der im Unabhaengigkeitskrieg zerstoerten Lastwagen, die die eingeschlossene Stadt versorgen sollten, zu sehen sind. Der Verkehr haelt sich heute in Grenzen, so dass wir recht schnell das Jaffa-Tor erreichen.

Waehrend ein Teil der Gruppe sich bei der Post mit Briefmarken versorgt, trifft Florian seinen Onkel, der ihn am Wochendende in Ashdod besuchen wird. Dann beginnt die Erkundung der Altstadt - in dieser Gasse aus Richtung des Jaffatores ist das Angebot mehr touristisch orientiert. Eine voellig andere Atmosphaere herrscht im juedischen Viertel. Hier ist nach der Eroberung Ost-Jerusalems ein voellig neues Viertel entstanden und auch die Ueberreste aus salomonischer bis roemischer Zeit sind wieder zugaenglich gemacht worden. Wir stehen auf dem roemischen Pflaster des ehemaligen Cardo, der roemischen Hauptstrasse, die am heutigen Damaskustor begann und der auf der Kopie der Pilgerkarte von Madaba (Jordanien), die hier in die Wand eingelassen worden ist, gut zu erkennen ist.

Vor uns liegt der Tempelberg - die Al-Aqsa-Moschee, der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, die Westmauer, frueher Klagemauer genannt. Die Rampe zum Tempelbeg, die vor 1 1/2 Jahren abgebrochen und erneuert werden sollte, was zu wuetenden Protesten der muslimischen Gemeinde und zum Abbruch der Arbeiten gefuehrt hatte, ist noch immer in dem gleichen unfertigen Zustand.  Wir erkennen an der Mauer die behauenen Steine aus salomischer Zeit, von denen Gabi im Diasporamuseum erzaehlt hat. In den Mauerritzen stecken die Zettel mit den Wuenschen an Gott. Heute sind nur wenige Menschen hier.

Falafel essen in unserem "Stammrestaurant", dann geht es weiter auf der Via Dolorosa, dem Weg, den Jesus mit dem Kreuz gegangen sein soll, zum Damaskustor und durch die Einkaufgasse - hier ist das Angebot auf die Beduerfnisse der Menschen ausgerichtet, die in der Altstadt wohnen: Gemuese, Kleidung, Haushaltswaren. Geschenke fuer die Daheimgebliebenen: Gewuerze bei unserem Hoflieferanten fuer Spandau - das Bild von einem unserer frueheren Besuche haengt fuer alle sichtbar am Eingang.

In der Grabeskirche herrscht Gedraenge - griechisch-orthodoxe Pilger feiern Gottesdienst vor dem Grab Jesu. Wir steigen hinab bis in die unterste Ebene, wo der Ueberlieferung nach die Kaiserin Helena bei ihrem Besuch Ende des vierten Jahrhunderts in dieser Hoehle die drei Kreuze gefunden haben soll.

Gleich nebenan sind wir in der Erloeser-Kirche fast zu Hause, denn dieses Grundstueck schenkte Mitte des 19. Jh. der Grossmufti von Jerusalem dem preussischen Koenig. Die heutige Kirche weihte Kaiser Wilhelm II. bei seinem Besuch im Heiligen Land im Jahr 1897 ein. Vom Turm aus bietet sich ein praechtiger Blick auf die Altstadt und den Oelberg.

Und nun: freie Zeit, um all das zu kaufen, was auf dem Weg bis hierher erspaeht worden ist. Nach einer Stunde sind alle wieder wohlbehalten und mit sorgsam ueberlegten Kaeufen wieder am Treffpunkt. Auf dem Rueckweg kommen wir an dem Laden des alten Herrn vorbei, der fuer einen guten Preis Pullover und T-Shirts bedruckt hat. Wir haben noch Zeit fuer die restlichen Wuensche, die Louisa organisiert. Der Inhaber macht an diesem Tag, an dem nur wenige richtige Touristen unterwegs sind, das Geschaeft seines Lebens.

Goldenes Abendlicht bricht hinter den Wolken hervor. Unser Minibus bringt uns zurueck nach Ashdod.

 

 

.. und auf dem Weg nach Ashdod

Abendsonne am Jaffator

corporate identity

Geschenke kaufen bei unserem Gewuerzhaendler

Das Geburtstagsgeschenk fuer Moritz entsteht

Falafel traditional style

... nur so laesst sich der Felsendom fotografieren

orthodoxe Regenausruestung                                                   

An der Klagemauer

Der Tempelberg

Montag, 27. Okt. 2008

Heute sind die schwarzen Wolken ueber Ashdod und da die Sonne vom Osten her kraeftig scheint, bildet sich ein neonfarbener, riesiger Regenbogen ueber der Stadt.

Fast punktlich fahren wir mit dem Minibus suedwaerts, an Ashkelon vorbei, biegen dann ostwaerts ab, weil vor uns der Gaza-Streifen liegt, lassen Sderot links liegen und sind schon auf dem Weg nach Beersheva. Von Kilometer zu Kilometer wird die Vegetation duerftiger, der Boden heller, bis nur noch der Sand leuchtet. Den Beduinenmarkt von Beersheva besuchen wir nicht, unser erstes Ziel ist Sde Boker, der Kibbuzz, in dem Israels erster Staatspraesident, David Ben Gurion, bis zu seinem Tode lebte und zwar wie jeder andere in dem einfachen, barackenartigen Holzbau wie jedes andere Kibbuzzmitglied. An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass die Freundschaft zwischen zwei sehr ungleichen Maennern, naemlich Konrad Adenauer und David Ben Gurion, die spaetere Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel moeglich wurde und somit auch unser heutiger Schueleraustausch.

In Mitzpe Ramon schauen wir hinunter in den weiten Senkungskrater mit seinen unterschiedlichen Farben. Es ist warm, nicht zu heiss, ein angenehmer Wind weht. Ein wenig heisser ist es dann unten im Krater auf einem Basalthuegel, der "Werkstatt des Schreiners" - die Basaltstuecke liegen hier so, als ob ein Tischler Balken zersaegt und hinter sich geworfen haette.

Letzter Punkt des heutigen Tage ist die Begraebnisstaette von David Ben Gurion und seiner Frau Paula - nicht in Jerusalem wollte er begraben werden, sondern hier im Negev, der fuer ihn die Zukunft Israels darstellte: "Wir muessen die Wueste gruen machen."

Sde Boker am Nachmittag - vor dem Wadi Zin

Wadi Zin

Vor dem Abgrund - hinter uns der Krater Makhtesch Ramon

David Ben Gurion und Konrad Adenauer

Sde Boker: Ben Gurion und Adenauer - Beginn der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel

Regenbogen ueber Ashdod

Sonntag, 26. Okt. 2008

In den Fernsehnachrichten am gestrigen Abend war schon der erhebliche Regen auf der Autobahn nach Jerusalem gezeigt worden: In diesen Wochen stellt sich das Wetter um, es wird Winter und der kuendigt sich mit Regen an, den das Land dringend braucht.

Heute nun schwarze Wolken ueber Tel Aviv, dichter Verkehr auf der Autobahn, der vor Yafne gaenzlich zum Stehen kommt: pkak (Mehrzahl pkachim) - ein aeusserst wichtiges Wort in diesem Land - Stau. Dieser zieht sich nun bis in die Stadtmitte, aber Wunder ueber Wunder, wir schaffen es noch puenktlich zum Diasporamuseum. Dort erwartet uns Gabi, die schon seit einigen Jahren unsere Gruppen hier fuehrt. In zwei Stunden gibt es einen Crashkurs Einfuehrung in das Judentum: Familie, Gemeinde, Tradition. Vieles von dem, was wir hier hoeren, werden wir in den kommenden Tagen mit Neuem verbinden.

Die naechste Station ist der Rabin-Platz vor dem Rathaus Tel Aviv - hier fand mit dem gewaltsamen Tod von Ministerpraesident Rabin auch die Hoffnung vieler Israelis, besonders der jungen Generation, ein ebenso gewaltsames Ende. Bei unserem Besuch auf dem Mount Herzl werden wir sein Grab besuchen.

In Jaffa (Yaffo) beginnt die Geschichte des Propheten Jona, dessen Ende wir schon auf dem Jona-Huegel in Ashdod gehoert hatten. Im Kuenstlerviertel sehen wir die Werkstatt von Frank Meisler, dessen Skulptur zur Erinnerung an die Transporte mit juedischen Kindern nach Grossbritannien Ende des Monats vor dem Bahnhof Friedrichstrasse aufgestellt werden wird. Wir werfen einen Blick in die Raeume der ersten israelischen Bank, damals die Englisch-Palaestinensische Bank, in denen heute ein Modeladen untergebracht ist - die Inhaberin erzaehlt uns die Geschichte. Beim besten Baecker Israels etwas zu kaufen ist ein Muss - wir tun es auch. Ohne pkak sind wir am spaeten Nachmittag wieder in Ashdod.

Yafo - skyline von Tel Aviv im Hintergrund

Vor dem Diaspora-Museum

Gabi erklaert im Diaspora-Museum

Sonnabend, 25. Oktober 2008

Heute ist Shabbat, der Ruhetag - wir aber sind an diesem schoenen Morgen - Sonne, blauer Himmel, nicht zu warm - alle puenktlich um 09:15 h auf dem Parkplatz vor der Schule und auch der Bus ist schon da. Unser Ziel ist "Superland", ein kleiner Vergnuegungspark in den Duenen kurz vor Rishon Lezyon. Alle moeglichen Fahrgeschaefte locken, manche etwas beschaulicher, manche, die schon etwas Mut erfordern. Der absolute Renner ist die Wasserbahn, bei der die Boote mit hoher Geschwindigkeit in das Wasser platschen und eine ziemliche Fontaene bewirken, so dass die Mitfahrenden in der Regel nicht trocken bleiben. Drei ganz Mutige lassen sich auch banjeeartig hochschleudern - keiner wagt dem Beispiel zu folgen. Die vielen unterschiedlichen Angebote werden gut genutzt und alle sind zum angegebenen Zeitpunkt wieder am Treffpunkt. Ueber die immer noch leere Autobahn fahren wir nach Ashdod zurueck - ein langer Shabbatnachmittag und -abend liegt noch vor uns.

Freitag, 24. Oktober 2008

Bis 08:15 stroemen die Schuelerinnen und Schueler in die Schule (Schule heisst in der hebraeischen Sprache "beit sefer"  - Haus des Buches, eine schoene Bezeichnung). Alle deutschen Austauschschueler/innen werden mit in den Unterricht genommen, so dass sie schon einmal einen recht guten Eindruck vom Schulleben in Israel bekommen. Um 09:00 Uhr bgruesst uns Frau Rosita Goldschmidt, die Schulleiterin und teilt ihrer Freude Ausdruck, dass dieser Austausch ein fester Bestandteil im Angebot beider Schulen ist.

Um 10:00 Uhr beginnen wir, begleitet von Herrn Yosi Lerer, dem Leiter des Gruenflaechenamtes in Ashdod und einer der Gastgebervaeter , mit unserer Buserkundungstour durch Ashdod. Wir beginnen am oestlichen Rand der Stadt - hier liegt noch unberuehrt ein grosser Rest der Duene, die einstmals das gesamte Stadtgebiet von Ashdod bedeckt hat. 1956 siedelten hier erstmals wieder seit dem Mittelalter - Ashdod wird schon in der Bibel als Stadt der Philister genannt - 20 marokkanische Familien in einfachsten Wellblechhuetten: Ministerpraesident Ben Gurion hatte festgelegt, dass hier, weit entfernt von den Grenzen zu den Nachbarstaaten, ein zweiter Tiefseewasserhafen (neben Haifa) gebaut werden sollte. Hafen und Industrie, das war die Bestimmung dieser neuen Siedlung, die heute 214 000 Einwohner umfasst, nur noch etwas weniger als Spandau, die in 17 Stadtvierteln leben - jedes mit allen notwendigen Einrichtungen versehen, die die Bevoelkerung braucht: Kindergaerten, Schulen, Aerzte- und Einkaufszentren. In den letzten 20 Jahren hat sich die Bevoelkerung verdreifacht. Vor der neuen Bruecke ueber die Eisebahngleise - sie soll das taegliche Verkehrschaos vor dem Bahnuebergang vermindern - biegen wir ab, um am oestlichen Stadtrand ein Denkmal anzusehen, das in dem kleinen Park "ad halom" (= bis hierher, denn bis zu diesem Punkt kam die aegyptische Armee waehrend des Unabhaengigkeitkrieges 1948 und hier wurden sie von den israelischen Kaempfern aufgehalten.) steht und nach dem Friedensvertrag mit Aegypten vor einigen Jahren errichtet worden ist. Diese Gegend ist zudem aus einem anderen Grund ein historischer Ort - hier verlief die uralte Handelsstrasse "Perfuemstrasse", die von Indien ueber Petra im heutigen Jordanien bis nach Alexandrien in Aegypten fuehrte. Entlang des Wohnviertels der orthodoxen Juden fahren wir zum Nordende der Stadt, wo 1956 die Siedlungstaetigkeit begonnen hatte. Auf einer Anhoehe in den ehemaligen Duenen steht heute ein Leuchtturm, der nunmehr als Radarstation benutzt wird. Dieser Huegel heisst "Givatim Yona", denn nach juedischer und auch moslemischer Ueberlieferung ist an dieser Stelle ("dort, wo der Fluss bei dem Berg in das Meer fliesst") der Prophet Jona vom Wal an Land gespuckt worden.

Von hier bietet sich ein guter Blick ueber den Hafen, das Industriegebiet und den Lakish-Park, der sich zu beiden Seiten des kleinen Lakish-Flusses entlang zieht, aber auch ueber einen Teil der Stadt. Am Mimouna-Gebaeude, das zu Ehren der ersten marokkanischen Einwanderer im Stil eines marokkanischen Wuestenpalasts in den Neunzigerjahren gebaut worden ist, vorbei fahren wir zur Rogosin-Strasse, der ersten richtigen Geschaeftsstrasse in Ashdod, in der frueher Leben und Treiben geherrscht hat, in der es nun aber erheblich ruhiger geworden ist, da es so viele schoene neue Einkaufszentren in Ashdod gibt. Ueberall haengen die Wahlplakate, da am 11. November der Buergermeister und das Stadtparlament gwaehlt werden. Fuer das Amt des Buergermeisters kandidieren der langjaehrige Buergermeister Zvi Zilker und sein bisheriger Stellvertreter, Dr. Lasry. Auf der Kuestenstrasse, in deren Verlauf wir das naechste Grossprojekts Ashdods sehen, eine Promenade fuer Fussgaenger und Radfahrer, die sich eines Tags von Nord nach Sued erstrecken sollen, kehren wir zur Schule zurueck.

Nach dem Wochenende werden alle Teilnehmer berichten, wie in ihrer Gastfamilie der Shabbatabend begangen worden ist.

Shabbat Shalom

 

Die neue Erste-Hilfe-Station - erster Teil des zukuenftigen Krankenhauses

Wahlkampf - links Buergermeister Zilker, rechts Dr. Lasry

Der Hafen

Yosi erklaert - ad halom

 

Donnerstag, 23. Okt. 2008

In der Kuehle des Oktobermorgens laden wir unsere Koffer in den Bus und puenktlich sind wir unterwegs nach Schoenefeld. Die Sonne geht auf und verspricht einen schoenen Herbsttag. Nach der Sicherheitsbefragung checken wir ein, dann kommt die Handgepaeckkontrolle, dann gibt's vor dem Betreten des Abfluggates noch einmal eine Handgepaeckkontrolle. Unser Flugzeug ist schon da, so dass das boarding puenktlich beginn. Mit uns fliegt Raphael Seligmann, deutsch-israelischer Schriftsteller. Die Wolkenfelder und das Mittagessen (chicken or beef?) lassen uns ein wenig die Orientierung verlieren, doch gegen 14:00 h queren wir die tuerkische Kueste und schon bald beginnt der Abstieg. Ueber den Sueden von Tel Aviv kommen wir herein, dann folgt die enge Linkskurve im Sinkflug und nach genau 4 Stunden ist unser Flug zu Ende. Die warme Luft meldet sich beim Aussteigen, dann folgt der lange Weg durch den modernen Flughafen, Passkontrolle ohne Schwierigkeiten, alle Koffer sind da: Ashdod, wir kommen.

In der Ankunfthalle wartet die Gruppe aus Ashdod: Wer gehoert zu wem? Bis wir in den Bus steigen, haben sich alle gefunden und nach einer kurzen Begruessung durch Adva sind bald alle im Gespraech. Kurz vor Ashdod wird das Abendprogramm geklaert: Alle werden heute Abend Pizza essen gehen. Es ist 17:30 h, die Sonne ist gerade untergegangen und es wird schlagartig dunkel.

 

                                                                                                 Luftballons zur Begruessung

 

 

 

 

 

 



dg

23. Oktober 2008

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